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OVAG Literaturgarten – Es liest Martin Schindel

29 April | 17:00 - 19:30
Bunte Blumenwiese mit drei geöffneten Büchern, die wie Blüten zwischen den Pflanzen stehen.
Martin Schindel sitzt an einem Tisch im Freien und blickt in die Kamera.
Foto: Martin Schindel

Die Wetterau im 30jährigen Krieg 

Obwohl keine der großen Schlachten des 30jährigen Krieges in der Wetterau stattfand – es gab hier überhaupt erstaunlich wenige direkte militärische Auseinandersetzungen -, war der Landstrich nach Kriegsende nahezu völlig verwüstet. Mehr als 50% der Vorkriegsbevölkerung waren tot oder geflohen; eine ganze Reihe von Dörfern fiel in Folge des Krieges wüst. Es war die schlimmste Zeit, die die Menschen in der Wetterau jemals durchleben bzw. durchleiden mussten – die Kriegsfolgen überstiegen die der Weltkriege um ein Vielfaches. 

In der Wetterau begann der 30jährige Krieg nicht 1618, und er endete auch mit dem westfälischen Frieden von1648 noch nicht – die letzten Besatzungssoldaten zogen erst 1652 aus Nidda ab. Im ganzen Gebiet gab es Banden entlassener Landsknechte, die die Wälder und Wege unsicher machten, Händler und Reisende überfielen, um selbst irgendwovon zu überleben. Die Zahl der Wölfe, die selbst in die Dörfer kamen, um Nahrung zu finden, hatte sprunghaft zugenommen. 

Anstelle einer chronologischen Darstellung der Ereignisse während der Kriegsjahre wird Schindel sieben Aspekte beleuchten, die das Alltagsleben der Wetterauer während dieser Zeit bestimmten. So wird es um Einquartierungen gehen und um das Leben im Tross, der jedem militärischen Verband folgte; Musik, graphische Darstellungen und der Simplicissimus werden eine Rolle spielen. Selbstverständlich wird auch auf die Hexenprozesse und auf den grassierenden Antisemitismus ein Blick geworfen. 

Den Hintergrund der Darstellung bilden die erstaunlich zahlreichen Berichte aus erster Hand, die – z.T. als Tagebuch oder Brief geschrieben, z.T. zur chronikalischen Veröffentlichung bestimmt – einen unmittelbaren Einblick in das Erleben und Empfinden kleiner Menschen während des Krieges ermöglichen. (Über die verwendeten Quellen wird ein kleines Literaturverzeichnis informieren.) 

Der Vortrag ist nicht akademisch angelegt, und es wird für Zwischenfragen und Diskussion Zeit und Gelegenheit geben. Eingeladen sind alle, die sich für die Geschichte der Wetterau interessieren – Vorwissen ist nicht vonnöten.