Ein Apfelbaum, an dem fünf verschiedene Sorten wachsen: Der Oberhessenbaum soll zur Landesgartenschau Oberhessen 2027 zu einem besonderen Symbol der Region werden.
Für ihn wurden fünf alte Apfelsorten ausgewählt, die eng mit Oberhessen verbunden sind. Auf einem einzigen Hochstamm wachsen künftig Friedberger Bohnapfel, Selters Roter, Himbacher Grüner, Ditzels Rosenapfel und Roter Metternich.
Die Idee hat Pomologe Timo Berk umgesetzt. Ursprünglich war geplant, zwei bis drei regionaltypische Sorten auf einem Baum zu vereinen. Daraus wurden schließlich fünf.
Die Edelreiser dafür wurden von alten, landschaftsprägenden Bäumen der jeweiligen Sorte geschnitten.

Gemeinsam mit der Baumschule Euler aus Sinntal-Schwarzenfels wurden Apfelhochstämme mit einem Grundgerüst aus fünf Leitästen herangezogen und für die Veredelung vorbereitet. Jeder Leitast trägt eine andere Sorte.

Ortsgeschichte in der Baumkrone
Damit vereint der Oberhessenbaum ein kleines Stück regionaler Obstbaugeschichte in seiner Krone. Der Friedberger Bohnapfel wurde bereits 1908 vom damaligen Deutschen Pomologen-Verein erwähnt und 2022 zur Hessischen Lokalsorte des Jahres gekürt.
Der Selters Rote stammt höchstwahrscheinlich aus Ortenberg-Selters und wurde erstmals um 1910 erwähnt. Er eignet sich zum Frischverzehr ebenso wie zum Kochen und zur Saftherstellung.
Der Himbacher Grüne entstand um 1890 in Limeshain-Himbach und gilt bis heute als hervorragender Mostapfel.
Aus Büdingen-Eckartshausen stammt Ditzels Rosenapfel. Die sehr alte Most- und Lagerapfelsorte wurde ab 1911 als sogenannter Herrenapfel für Oberhessen empfohlen und 2005 zur Hessischen Lokalsorte des Jahres gewählt. Der Rote Metternich wiederum stammt vermutlich aus Oberhessen beziehungsweise Büdingen. Die alte Mostapfelsorte wurde früher auch als Tafelapfel geschätzt.
Hinter dem Projekt steckt mehr als eine botanische Besonderheit. Streuobstwiesen gehören seit Generationen zur oberhessischen Kulturlandschaft. Allein im Wetteraukreis stehen rund 230.000 Obstbäume auf mehr als 3.000 Hektar.
Besonders verbreitet sind Streuobstbestände in den warmen Lagen südlich des Vogelsbergs, im Büdinger Hinterland und im Ronneburger Hügelland. Sie prägen nicht nur die Landschaft, sondern bieten zahlreichen Pflanzen und Tieren Lebensraum.
Der Wert alter Sorten
Viele dieser Bestände sind jedoch überaltert und durch mangelnde Nutzung und Pflege gefährdet. Der Oberhessenbaum soll deshalb auch auf den Wert alter Sorten und der Streuobstwiesen aufmerksam machen – und insbesondere jüngere Menschen für das Thema interessieren.
Zur Landesgartenschau wird der Baum nicht nur an einem Ort zu finden sein. Alle elf LGS-Kommunen sollen die von der Landesgartenschaugesellschaft finanzierten Oberhessenbäume pflanzen, möglichst dort, wo sie ins Auge fallen: an Ortsein- und -ausgängen, auf Dorfplätzen oder entlang von Wander- und Radwegen. Anschließend sollen die Kommunen oder örtliche Vereine die Pflege übernehmen.
So wächst mit dem Oberhessenbaum ein lebendiges Stück regionaler Identität heran: fünf alte Apfelsorten, vereint auf einem Stamm – und verwurzelt in Oberhessen.
