Wer den Kurpark in Bad Salzhausen kennt, schätzt seine besondere Atmosphäre: Weite
Wiesenflächen, alte Bäume, Wassergräben und eine fast schon entschleunigende Ruhe
prägen den Charakter des historischen Parks. Genau diese Qualitäten greift die neue
Staudenpflanzung für die Landesgartenschau Oberhessen vom 22. April bis 3. Oktober 2027
auf. Herzstück wird eine rund 2.000 Quadratmeter große Pflanzung im Bereich der
Schwefelquelle sein. Schmale Wege führen die Besucher mitten durch die
Staudenlandschaft.
Verantwortlich für die Planung ist die Weinheimer Landschaftsarchitektin Bettina Jaugstetter. Sie verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Pflanzplanung und war bereits an mehreren Bundes- und Landesgartenschauen beteiligt. Ihr Anliegen ist es, dauerhafte Pflanzungen zu schaffen, die ökologisch funktionieren, mit geringem Pflegeaufwand auskommen und damit wirtschaftlich zu unterhalten sind sowie gleichzeitig eine hohe gestalterische Qualität besitzen.
Besonders wichtig ist ihr die Vielfalt: „Ich möchte zeigen, was Stauden können, wenn sie standortgerecht ausgewählt werden“, sagt sie. Pflanzen müssten nicht nur schön aussehen, sondern auch in ihren natürlichen Wachstumsstrategien zusammenpassen.
Der Untere Kurpark mit seinen rund 30 Hektar wird eines der beiden eintrittspflichtigen Hauptgelände der Landesgartenschau mit zahlreichen gärtnerischen Attraktionen. Die gärtnerische Leitung der Landesgartenschau liegt bei Ulrike Hansen-Röper. Der Lebensbereich der Pflanzungen wird als mäßig feucht bis feucht eingestuft. Der Park steht unter Denkmalschutz
und liegt im Heilquellenschutzgebiet. Für ihn besteht ein Parkpflegewerk.
Warme und kühle Pflanzbereiche
Die geplante Pflanzung in Bad Salzhausen greift die Bedingungen der feuchten Bestandswiesen mit ihren schweren, lehmigen Böden auf. Dafür entwickelte Jaugstetter ein Konzept aus fünf Bereichen, die durch blaue Staudenbänder, Gehölzunterpflanzungen und schmale Wege
miteinander verbunden werden. Entlang der Hauptwege bleiben großzügige Rasenflächen erhalten, von denen aus Besucher in die Pflanzungen eintauchen können. Die Flächen eins bis drei setzen auf warme Farben mit Gelb-, Orange- und Rottönen, während die Bereiche vier und
fünf von kühlen -kühle Rot-, Rosé- und Violetttönen geprägt werden.

Starke Gemeinschaften
Dabei folgt die Planung einem klaren pflanzenökologischen Prinzip. Entscheidend ist nicht allein
die Blütenfarbe, sondern das Konkurrenzverhalten der Arten. Pflanzen mit ähnlicher Wuchskraft werden miteinander kombiniert, damit sie sich langfristig behaupten können. Jaugstetter unterscheidet dabei drei Strategietypen: stresstolerante Arten, konkurrenzstarke Arten und sogenannte Ruderalpflanzen, die auf Störungen spezialisiert sind. Nur wenn diese Eigenschaften berücksichtigt werden, entstehen dauerhaft stabile Pflanzengemeinschaften.
Im Vordergrund dominieren sogenannte Matrixpflanzungen. Hier bildet das immergrüne
Herbstkopfgras (Sesleria autumnalis) eine ruhige Grundstruktur, in die kleinere Staudengruppen
eingestreut werden. Dahinter folgen größere Blockpflanzungen mit kräftigeren Arten wie Taglilien (z.B. Hemerocallis `Little Joy`), Knöterichen (z.B. Bistorta amplexicaulis ‚Alba‘ oder oder ‚White Eastfield‘), Wiesenrauten (z.B. Thalictrum aquilegifolium `Black Stockings‘ oder ,lucidum‘), Kandelaber-Ehrenpreis (z.B. Veronicastrum virginicum ‘Diana’ im Block warm, ´Album` und ´Adoration` im Block kühl) oder verschiedenen Sonnenblumengewächsen. Die warmen Beete leben von Sonnenhut (z.B. Echinacea purpurea `Alba`), Sonnenbraut (z.B. Helenium, Baudirektor Linne´, ‚Waldtraud‘ oder ‚Rubinzwerg‘) und Taligien während in den kühlen Bereichen beispielsweise Wiesenkopf (Sanguisorba officinalis `Tanna`, Sauguisorba tenuifolia Àlbiflora` oder Gruppen von unterschiedlichen Kerzenknöterich Sorten (z.B. Bistorta amplexicaulis J.S. Caliente oder `White Eastfield`). Charakteristisch sind zudem die 80 Zentimeter breiten blauen Staudenbänder, die die Wassergräben des Kurparks gestalterisch aufnehmen und mit unterschiedlichen Arten und Sorten von Blausternbusch (z.B. Amsonia `Halfway to Arkansas` oder Amsonia orientalis `Blue Ice`) und Wieseniris (Iris sibirica `Ceasars Brother) dargestellt werden.
Besondere Anforderungen
Anders als bei vielen anderen Gartenschauprojekten arbeitet Jaugstetter hier nicht mit eigens aufgebauten Pflanzsubstraten, sondern mit den vorhandenen schweren, lehmigen Böden. Dadurch entstehen besondere Anforderungen an die Pflanzenauswahl. Eventuell ist durch die angrenzende Wiesenflächen, erhöhte Samenbank im Bestandsboden und einem erhöhten
Unkrautdruck bis zum Flächenschluss zu rechnen. Um den Boden möglichst schnell zu
schließen, werden deutlich mehr Stauden gesetzt als üblich. Statt fünf bis sieben Pflanzen pro
Quadratmeter kommen hier durchschnittlich 7,8 bis 8,5 Stauden pro Quadratmeter zum Einsatz.
Viele Arten stammen aus feuchten Wiesenstandorten und sind an diese Bedingungen
angepasst.
Auch die vorhandenen Bäume werden in das Konzept einbezogen. Für die Baumscheiben
wurden eigene Pflanzkonzepte entwickelt, da dort durch die Wurzeln trockenere und schattigere
Bedingungen herrschen. Unter Sumpfzypressen und Urweltmammutbäumen sollen unter anderem Alpenveilchen (Cycameum coum und C. hederifolium) und weitere Schattenstauden
wachsen. Gleichzeitig werden die Bereiche geöffnet, damit Besucher die besonderen Gehölze
und ihre ungewöhnlichen Wurzelformen besser erleben können

Wandelndes Naturerlebnis
Wenn die Pflanzungen ihre volle Wirkung entfalten, erwartet die Besucher kein klassischer Blütenteppich, sondern ein sich ständig wandelndes Naturerlebnis. Gräser, Stauden, Blattstrukturen und Blüten wechseln sich im Jahresverlauf ab. Mal stehen Farben im Vordergrund, mal Formen oder Texturen. Im Winter sorgen Samenstände, Gräser und Raureif für neue Bilder. Jaugstetter möchte die Menschen bewusst nah an die Pflanzen heranführen: „Wer die Wege durch die Staudenbeete nutzt, soll Details entdecken, Insekten beobachten und die Vielfalt der Pflanzenwelt unmittelbar erleben können.“ Genau darin liegt für sie die besondere Qualität des Projekts: Der Kurpark bleibt, was er immer war – ein Ort der Ruhe. Er wird künftig nur um viele neue Facetten reicher.
Dauerkarten zum Sonderpreis
Die Landesgartenschau Oberhessen 2027 steht unter dem Motto „Wir sind Garten“. Die Region verwandelt
sich vom 22. April bis zum 3. Oktober 2027 zu einer Bühne für über 1.500 Veranstaltungen, kreative
Themengärten, farbenprächtige Blumenschauen und eindrucksvolle Blühinseln. Ob im bunten
Klassenzimmer, bei Spiel-und Sportaktionen oder beim Flanieren durch die vielfältige Gartenkultur –
Gäste jeden Alters dürfen sich auf eine bunte Mischung aus Natur, Bildung, Unterhaltung und Gemeinschaft freuen.
Infos: www.landesgartenschau-oberhessen.de
Mehr über Bettina Jaugstetter und ihre Arbeit erfahren Sie in unserer Videoreihe „Die LGS-Macher“ auf unseren Social-Media-Kanälen.