Spielen ohne Grenzen

Auf der einen Seite Platz zum Spielen, auf der anderen Seite Gelegenheit zum Muskelstählen: Im neuen Büdinger Stadtpark entsteht kein gewöhnlicher Spielplatz. Vielmehr soll eine große Spiel- und Sportlandschaft geschaffen werden, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam aktiv sein können. Noch in diesem Monat startet der Bau.

Möglich macht das die Unterstützung durch „Stück zum Glück“. Hinter der Initiative stehen Procter & Gamble, REWE und die Aktion Mensch. Für die Umsetzung erhält die Stadt Büdingen eine Förderung von mehr als 126.000 Euro. Das entspricht knapp 70 Prozent der Gesamtkosten. Hintergrund des Engagements ist ein großer Bedarf: Fast 80 Prozent der Spielplätze in Deutschland sind für Kinder mit Behinderung nicht oder nur eingeschränkt nutzbar. Das zeigt eine Studie der Aktion Mensch und des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS) aus dem Jahr 2023.

Seit 2018 setzen sich die Partner REWE, Procter & Gamble und die Aktion Mensch gemeinsam dafür ein, neue inklusive Spielplätze zu schaffen und bestehende Anlagen barrierefrei umzugestalten. Mitmachen ist denkbar einfach: Wer bei REWE ein Produkt einer P&G-Marke wie Pampers, Ariel, Oral-B oder Always kauft, unterstützt die Initiative automatisch. Für jedes verkaufte Produkt fließt ein Cent in den Bau inklusiver Spielplätze – das ganze Jahr über und ohne zusätzliche Kosten für die Kundinnen und Kunden. So entstanden mit Unterstützung von „Stück zum Glück“ bundesweit bereits über 60 inklusive Spielplätze.

Spielen im „Sandbach“

Büdingen verfolgt bewusst einen anderen Ansatz als die eher naturnah geprägten Spielbereiche an anderen Standorten der Landesgartenschau. Der Büdinger Stadtpark liegt im Zentrum Büdingens und hat damit eher ein urbanes Umfeld. Entsprechend darf es hier bunter und sportlicher werden. Trotzdem greift die Gestaltung ein wichtiges Thema der Landesgartenschau auf: Wasser – wenn auch auf dem Trockenen.

Zwei modellierte Hügel bilden das Herzstück der Spiellandschaft. Der Bereich wird als „Sandbach“ inszeniert. Die Hügel erinnern in ihrer Form an die Ufer eines Bachlaufs. Kletternetze, die an Fischernetze erinnern, eine Rutsche, Hangel- und Balancierelemente verbinden die unterschiedlichen Höhen. Kinder können sich so spielerisch von „Ufer“ zu „Ufer“ bewegen. Die Anlage soll zum Klettern, Rutschen, Hangeln und Balancieren anregen. Mit besonderen Spielgeräten, wie zum Beispiel dem Surfer, in dem es sich anfühlt, als würde man über Wellen reiten, oder dem Kletter-Balanciertrail, der über ein nachgestaltetes Bachbett führt. Das Drehkarussell ist ebenerdig und lässt Platz für einen Rollstuhl. Die Kinder finden an vielen Stellen zusätzliche Haltegriffe. Sicher ist: Beim Toben lernt man sich schnell und unkompliziert kennen. Dabei bedeutet inklusiv nicht, dass alle dasselbe tun müssen. Sondern dass der Spielplatz für alle Kinder – mit oder ohne Behinderung – Zugang, spielerische Abwechslung und auch Herausforderung bietet.

Eine Illustration zeigt die künftige Struktur und Aufteilung des Spielplatzes am Sandbach in Büdingen. Illustration: Kompan/KI

Kein Sand im Getriebe

Auf Sand als Bodenbelag wird in diesem Bereich bewusst verzichtet, da er für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator eine erhebliche Barriere darstellen kann. Stattdessen kommt ein fugenloser EPDM-Belag zum Einsatz. Der sichere Fallschutzbelag bietet einen griffigen, gut befahrbaren Untergrund und ermöglicht es auch jüngeren Kindern sowie Kindern mit Behinderung, die sanft modellierten Hügel zu nutzen. Gleichzeitig ist der Bodenbelag wasserdurchlässig, recycelbar und damit nachhaltig. Ein großzügiges Sonnensegel wird Schatten spenden. Hinzu kommen eine Nestschaukel, verschiedene Kletter- und Balancierangebote, Schwingelemente sowie Treffpunkte zum Sitzen und Liegen.

Vom Spiel zum Sport

Direkt an den Spielplatz schließt sich die Sportinsel an. Spiel und Sport sollen dabei optisch und funktional eine Einheit bilden. Geplant sind ein Bereich für Basketball sowie eine Calisthenics-Anlage. Dort können Jugendliche und Erwachsene mit dem eigenen Körpergewicht trainieren. Auch bei den Fitnessangeboten spielt Barrierefreiheit eine Rolle.

In Richtung Seemenbach ändert sich der Charakter erneut. Dort soll bewusst auf klassische Spielgeräte verzichtet werden. Stattdessen entsteht ein naturnaher Bereich, der der Fantasie der Kinder keine Grenzen setzt. Ergänzt wird das Angebot durch einen Trinkwasserbrunnen und eine Ausleihbox für Spiel- und Sportgeräte.

Die Planungen gehen auf den Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros Grabner Huber Lipp zurück, das den Realisierungswettbewerb für den Stadtpark gewonnen hatte. Für den Spiel- und Sportbereich folgte ein weiterer Wettbewerb. Das Büro GHL entwickelte die Idee weiter, der Spielplatzhersteller Kompan setzte sich mit seinem Konzept durch. Aus einer zunächst teilweise inklusiv gedachten Anlage wurde schließlich ein vollständig inklusiver Spielplatz.

Bauherr des Stadtparks ist die Stadt Büdingen. Das Projektmanagement liegt bei der Landesgartenschau Oberhessen 2027. Bei der Umsetzung wird auch der Verein „Your Place“ aus Friedberg eingebunden, der sich im Wetteraukreis mit dem Thema Inklusion beschäftigt.

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