Große Bäume und Wasser: Warum Besucher der Landesgartenschau vor der Sommerhitze verschont bleiben
Die Mittagssonne brennt. Über den Wegen flimmert die Luft, das Thermometer klettert über 30 Grad. Doch schon wenige Schritte unter mächtigen Baumkronen verändert sich die Atmosphäre. Die Luft wird angenehmer, das Licht weicher, der Spaziergang entspannter. Ihr Blätterdach ist grünes Sonnensegel und mächtige Klimaanlage zugleich.
In Bad Salzhausen und Gedern finden die Besucher der Landesgartenschau Oberhessen die Hauptattraktionen. Der Untere Kurpark im Heilbad und der Schlosspark in der Vulkanstadt verfügen über einen gewachsenen Baumbestand. Die Anlagen sind bei jeder Wetterlage attraktiv, da sie sowohl sonnige als auch ausgedehnte beschattete Flächen bieten. Beide Parks stehen auf der Liste der kühlen Orte des Wetteraukreises. Zudem liegen sie direkt an den Fernradwegen „R4“ beziehungsweise Vulkanradweg, welche auch bei Wärme eine angenehme Anreise an frischer Luft ermöglicht.

Meeresbrise im Kurpark
Der Kurpark in Bad Salzhausen umfasst 52 Hektar und zählt zu den ältesten Parkanlagen Deutschlands. Burggärtner und Kreisgeometer Heinrich Carl Bindernagel legte ihn in einer nach Süden und Westen ausgerichteten Tallage an. Seltene Bäume und Pflanzen prägen bis heute das historische Gesamtbild des Kurortes. Im 30 Hektar großen Unteren Kurpark erleben die Besucherinnen und Besucher Blumenschauen, Schaugärten, Staudenpflanzungen und zahlreiche weitere Beiträge.
„Der alte Baumbestand in beiden Parks bietet nicht nur Schatten und ein angenehmes Mikroklima, er schafft besondere Räume und Kulissen für die Ausstellungsbeiträge“, sagt Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft.
Er gibt noch mehr Plätze, sich abzukühlen: Im mächtigen Gradierwerk inhalieren Spaziergänger die solehaltige Luft, es ist fast wie ein kleiner Urlaub am Meer. Ein Kneipp-Tretbecken in der Nähe des historischen Wasserrads und künftig auch ein Kneipp-Erlebnispark am Rande des Kurparks ergänzen die Möglichkeiten zur Erfrischung.
Klimahain im Schlosspark
Auch zwischen den ehrwürdigen Eichen des Schlossparks Gedern lassen sich sommerliche Temperaturen gut aushalten. Der Park wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von Friedrich Karl zu Stolberg-Gedern als englischer Landschaftsgarten angelegt. Auf der unteren Terrasse des behutsam sanierten Parks lädt der renaturierte Mühlbach dazu ein, die Schuhe auszuziehen und durchs kühle Wasser zu waten. Nur wenige Meter entfernt befindet sich der neue Klimahain. Hier lässt es sich entspannt verweilen und das Geschehen auf der Veranstaltungswiese beobachten.
Zusätzlich entsteht ein neuer Wassertretbereich nach Kneipp. Wer wie ein Storch durchs Wasser stolziert, regt seinen Kreislauf an und lässt das Schweregefühl in den Waden verschwinden.
Ein Tipp: Die Wirkung des Klimahains lässt sich erfühlen: Mit jedem Schritt über die Trittsteine im Mühlbach, also von der Veranstaltungswiese zum Klimahain, sinkt die Temperatur spürbar. Einen solchen Klimahain, zwei begehbare Zugänge zum Seemenbach, ein Wasserspiel und einen Trinkbrunnen gibt es auch im neuen Stadtpark in Büdingen.
Dass Bäume die Umgebungstemperatur senken, ist längst wissenschaftlich belegt. Das geschieht auf zwei Wegen. Zum einen spenden ihre Kronen Schatten und verhindern, dass Wege, Wiesen oder Gebäude von der Sonne aufgeheizt werden. Zum anderen verdunsten sie kontinuierlich Wasser über ihre Blätter.

Dieser Prozess, die sogenannte Transpiration, entzieht der Umgebung Wärme. Das Prinzip ähnelt der Verdunstungskälte auf der menschlichen Haut – allerdings in weit größerem Maßstab. Deshalb gelten Bäume als natürliche Klimaanlagen.
Kühlleistung von zehn Klimaanlagen
Wie groß dieser Effekt sein kann, zeigen zahlreiche Untersuchungen. Nach Angaben der Technischen Universität München erreicht ein rund 20 Meter hoher, dicht belaubter Baum eine Kühlleistung von bis zu 40.000 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht ungefähr der Leistung von zehn Klimaanlagen. Satellitendaten belegen außerdem, dass Bäume in Städten die Oberflächentemperaturen – je nach Standort und Baumart – um etwa 0,5 bis mehr als drei Grad Celsius senken können. Direkt unter dichten Baumkronen oder in großen Parkanlagen können sogar Temperaturunterschiede von bis zu zehn Grad gegenüber voll besonnten Flächen entstehen.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Anzahl der Bäume, sondern vor allem ihre Größe. Alte Bäume mit ausladenden Kronen und großer Blattfläche – wie in den beiden Parks – verdunsten besonders viel Wasser und werfen großflächigen Schatten. Arten wie Linden, Platanen oder Ulmen besitzen aufgrund ihrer dichten Kronen eine besonders hohe Kühlwirkung. Parks mit Rasenflächen verstärken diesen Effekt zusätzlich, weil auch der Boden Feuchtigkeit verdunsten lässt. Gerade deshalb sind gewachsene Parkanlagen heute wichtiger denn je. Den Besuchern der Landesgartenschau und den Bürgern kommen diese positiven Effekte zugute.
Ausstellung „Grundwasser lebt“
Die Ausstellung „Grundwasser lebt“ vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz kommt während der Landesgartenschau Oberhessen vom 22. April bis 3. Oktober 2027 in die Festhalle nach Schotten. Grundwasser als Teil des globalen Wasserkörpers, als Trink- und Brauchwasser und als Bewässerung für die Land- und Forstwirtschaft ist akut gefährdet. Geringe Niederschläge und Versickerung auf ausgetrockneten Böden durch Klimawandel, Schad- und Nährstoffeintrag und Verschwendung gefährden diese unverzichtbare Ressource. Die Ausstellung präsentiert vier zentrale Themen: Grundwasser in Raum und Zeit, Grundwasser als Lebensraum, Mensch und Grundwasser und Perspektiven der Nachhaltigkeit. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.schotten.de.