Im Weinberg Jakobsäcker verbinden sich historische Rebsorten, nachhaltige Bewirtschaftung und ehrenamtliches Engagement
Wenn Bernd Vielsmeier von alten Rebsorten und der früheren Weinbautradition Oberhessens erzählt, wird Kulturgeschichte anschaulich und lebendig. Im Weinberg Jakobsäcker bei Wippenbach zeigt sich, wie eng die Bewahrung historischer Vielfalt, nachhaltige Bewirtschaftung und gemeinschaftliches Engagement miteinander verbunden sind.
Beim jüngsten Arbeitseinsatz stand die neue Beschilderung der Reben im Mittelpunkt. Die von Daniel Geschwinder handgefertigten Schiefertafeln nennen die jeweilige Rebsorte und führen über einen QR-Code zu weiterführenden Informationen.
Ermöglicht wurde die Beschilderung durch eine Spende des Freundeskreises Landesgartenschau Oberhessen in Höhe von 500 Euro. „Dieses nachhaltige Projekt liegt uns sehr am Herzen, denn es spiegelt die Vielfalt und den Gemeinschaftssinn unserer Region wieder“, betonte Britta Renner, Vorstandsmitglied des Freundeskreises.
Ergänzt werden die Schiefertafeln durch zwei großformatige Informationstafeln, die Elfriede Sonnenberg gestaltet hat.

Am Eingang des rund 2.500 Quadratmeter großen Grundstücks vermitteln sie einen Überblick über den Weinberg, seine Geschichte und die Vielfalt der dort wachsenden Rebsorten.
Neben der Anbringung der Schilder widmeten sich die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Ortenberg den anstehenden Pflegearbeiten. Um die gesunde Entwicklung der jungen Reben zu unterstützen, versorgten sie die Pflanzen mit einem Biodünger, der unter anderem Magnesium, Eisen und Kalium enthält. „Diese Mineralstoffe sind für den menschlichen Körper unverzichtbar – und ebenso wichtig für die jungen Reben“, erläuterte Maria Vielsmeier.
Die Initiative zur Anlage des Weinbergs ging von Bernd Vielsmeier aus. Den organisatorischen Rahmen für die Umsetzung schuf der Obst- und Gartenbauverein Ortenberg (OGV), der mit dem Projekt seine bisherige Arbeit im Obstbau um den Bereich Weinbau erweiterte. Bewirtschaftet wird der Weinberg gemeinschaftlich von den derzeit zwölf Frauen und Männern der Abteilung Weinbau. Die Stadt Ortenberg stellte das Grundstück zur Verfügung und brachte Ökopunkte ein, wodurch der finanzielle Eigenanteil überschaubar blieb. Einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung leistete zudem die Förderung durch das europäische LEADER-Programm.

Im Weinberg gedeihen historische Rebsorten, deren Ursprünge zum Teil bis in die Antike zurückreichen. Dazu zählt der mindestens 2.000 Jahre alte Muskat von Alexandria. Auch die Rebsorte Süßschwarz, die mit einem geschätzten Alter von rund 8.000 Jahren als eine der ältesten Kultursorten überhaupt gilt, ist hier vertreten.
Die Abteilung Weinbau arbeitet eng mit dem Julius Kühn-Institut für Rebenzüchtung zusammen. Dessen Sammlung historischer Rebsorten bewahrt wertvolles genetisches Material, das eine wichtige Grundlage für die Züchtung neuer, widerstandsfähiger Sorten bildet.
Auch in Oberhessen sind nach Angaben von Bernd Vielsmeier bereits alte Reben entdeckt worden. Deshalb richtet er einen Aufruf an die Bevölkerung: „Wer in unserer Region einen alten Rebstock besitzt, kann gerne Kontakt mit dem Obst- und Gartenbauverein aufnehmen. Schon ein Blatt kann dabei helfen, die Rebsorte fachlich bestimmen zu lassen.“
Das Projekt fügt sich hervorragend in die kommende Landesgartenschau ein. Erste Überlegungen für ein „Grünes Klassenzimmer“ und eine musikalische Weinreise sind bereits im Entstehen. Zudem liegt der Weinberg inmitten der Entdeckerroute „Geschichte erleben zwischen Altstadt und Kloster“ – ein Abstecher zum Weinberg lohnt sich auf jeden Fall.
Weitere Informationen
Entdeckerroute „Geschichte erleben zwischen Altstadt und Kloster“:
https://oberhessen.de/route/geschichte-erleben-zwischen-altstadt-und-kloster/
Obst- und Gartenbauverein Ortenberg:
https://ogv-ortenberg.jimdofree.com