Wo ist Oberhessen?

Zwischen Historie und Identität: Landesgartenschau hebt Region auf die Landkarte

Im Sommer 2027 werden Hunderttausende die Landesgartenschau Oberhessen besuchen. Für viele auswärtige Gäste stellt sich zunächst die Frage: Wo liegt Oberhessen überhaupt?

Der Name ist geläufig: Auf dem Markt in Frankfurt werben Metzger und Bäckerinnen mit oberhessischen Spezialitäten. Es gibt die Sparkasse Oberhessen oder die Oberhessischen Versorgungsbetriebe (OVAG). Das Kartoffelgericht Beulches gilt als oberhessische Spezialität, und mit dem Owwerhessischen verfügt die Region über ihren ganz eigenen Dialekt.

Von der A45 in den wilden und zugleich charmanten Osten: Hier ist Oberhessen, das grüne Herz Hessens. Grafik: LGS/Connect

Geografisch liegt Oberhessen mitten in Hessen. Die Region erstreckt sich östlich der A45, grenzt im Norden grob an die A5 und ist von der A66 im Süden innerhalb weniger Minuten erreichbar. Als eigenständige Region ist Oberhessen auf Landkarten jedoch nicht immer eindeutig ausgewiesen. Wer mit der Bahn kommt und in Nidda-Bad Salzhausen aussteigt, entdeckt auf dem Schild am Bahnsteig den Hinweis „Bad Salzhausen (Oberhessen)“ – und befindet sich damit quasi schon am Pulsschlag der Region.

Elf Kommunen bilden den Kern

Elf Kommunen bilden heute den Kern der modernen Region Oberhessen: Nidda mit Bad Salzhausen, Gedern sowie Büdingen, Hirzenhain, Echzell, Glauburg, Kefenrod, Limeshain, Ortenberg, Ranstadt und Schotten. Sie gehören dem Verein Oberhessen an, der vor 30 Jahren gegründet wurde. Die Gemeinschaft, die ursprünglich aus engagierten Privatpersonen und Unternehmern entstand, hat in den vergangenen Jahrzehnten etwas Besonderes erreicht: Sie hat eine fast verloren geglaubte regionale Identität Schritt für Schritt wiederbelebt.

„Langfristig können die Herausforderungen unserer Region nur nachhaltig und zufriedenstellend gemeistert werden, wenn Städte und Gemeinden ihre Kräfte bündeln und Aufgaben gemeinsam angehen.“ So lautet das überzeugende Leitmotiv der Gemeinschaft. „Aus dieser Überzeugung heraus nutzen wir den Startschuss Landesgartenschau, um unsere Kräfte zu bündeln und Oberhessen gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagt Henrike Strauch, Vorsitzende des Vereins Oberhessen. Mit der Landesgartenschau vom 22. April bis 3. Oktober 2027 wird dieser illustren Region zwischen Wetterau und Vogelsberg ein Gesicht gegeben.

Die Vulkangeschichte, die Kelten und die Römer haben diesen bezaubernden Landstrich mit seinen zahlreichen Flüssen und Seen geprägt. Historisch geht der Begriff „Oberhessen“ auf die Zeit des Großherzogtums Hessen im 19. Jahrhundert zurück. Damals war Oberhessen neben Starkenburg und Rheinhessen eine von drei Provinzen dieses Staates. Die Provinz umfasste Gebiete nördlich des Mains mit wichtigen Zentren wie Gießen, Friedberg und Alsfeld. Diese historische Einteilung prägte die Identität und die Verwaltungsstrukturen der Region über viele Jahrzehnte. Heute wird der Name „Oberhessen“ zwar nicht mehr als offizielle Verwaltungseinheit verwendet, lebt jedoch als moderne Regionsbezeichnung weiter.

Chance durch Landesgartenschau

In diesem Sinne ist Oberhessen heute vielmehr eine gemeinsame Idee und weniger eine klar abgegrenzte Fläche: eine Region, die auf historischen Wurzeln basiert und gleichzeitig durch Zusammenarbeit und Zukunftsprojekte – wie die Landesgartenschau Oberhessen 2027 – weiterentwickelt wird. Die Chance, Oberhessen auf die Landkarte zu heben, ist so groß wie nie, erläutert Florian Herrmann, Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft. „Im kommenden Jahr wird die Region durch das größte Landesfest im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit stehen. Oberhessen ist ein halbes Jahr das grüne Herz Hessens.“

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